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Über 30 Jahre sind eine lange Zeit in der Gastronomie, insbesondere wenn sich das Angebot an eine recht spezielle Zielgruppe richtet, wie es beim Keller lange Zeit der Fall war. Schwule Männer, insbesondere Männer mit solch speziellen Vorlieben, wie sie im Keller schon immer ausgelebt wurden hatten es zu Beginn der 80er Jahre sicher nicht einfach in einer Umgebung, die durch wenig Wissen und viele Klischees geprägt war.
Umso dankbarer wurde das Angebot, das Wolfgang Ziegler und Herbert Haitz mit dem Keller (damals korrekt Treffpunkt Kellergewölbe) schufen angenommen. Hier konnte Mann, ganz Mann sein, sich seinen Neigungen unbeobachtet und ohne kritische Betrachtung durch die langsam entstehende schwule Szene hingeben.
Leder und andere Fetische dominierten den Kleidungsstil, familiäre Wärme wurde durch den rustikalen Einrichtungsstil und die Getränke zum Selbstkostenpreis vermittelt. Der Keller war eine Institution, die den Spaß der Gäste an die erste Stelle setzte, Spaß der auch jenseits jeglicher damaliger gesellschaftlichen Norm liegen durfte. 

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Bald schon gab der Erfolg den beiden Gründern und ihrem Konzept recht und weitere Helfer wurden zum Betrieb nötig, die sich zunächst aus dem unmittelbaren familiären und freundschaftlichen Umfeld der Beiden rekrutieren ließen. Zunächst war man räumlich auf den namensgebenden Gewölbekeller beschränkt, der auch heute noch als Herz des Kellers bezeichnet werden kann. In den neunziger Jahren folgte schließlich der Ausbau ehemaliger Lagerräumlichkeiten der Firma Elektro Ziegler und damit eine Verdopplung der zu Verfügung stehenden Fläche.
Nichts ist so beständig wie der Wandel, insbesondere wenn er durch recht grundlegende Bedürfnisse getrieben wird. So folgte Mitte der 2000er Jahre der Umbau von weiteren Kellerräumlichkeiten durch tatkräftige Mitglieder des frisch gegründeten Vereins Gayzone Stuttgart e.V. in ein Cruising-Area, schließlich wollte und will man auch manchmal ganz für sich ungestört oder ganz öffentlich sein. Gayzone wurde als alternativer Fetisch und SM-Verein gegründet, weil die Gründungs-„Väter“ ihre Bedürfnisse in der damaligen Stuttgarter Szene nicht ausreichend repräsentiert sahen und fand in den Räumlichkeiten des Kellers ein angemessenes Zuhause.
Ab ca. 2010 fanden immer wieder Renovierungsarbeiten in allen Räumlichkeiten des Kellers statt, zuletzt wurde 2017 der obere Barbereich vollständig renoviert und der überdachte Innenhof in eine entspannte Lounge für den Sommerbetrieb umgestaltet

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Hinter alldem steht seit jeher die Idee vieler regelmäßiger Besucher, Mitarbeiterinnen und Mitglieder, eines zweiten Wohnzimmers, einer familiären und offenen Umgebung in der jeder und jede willkommen ist. Spaß in diesem Sinne ist sicher keine sinnlose Bedürfnisbefriedigung, keine reine Triebabfuhr und kein alkohollastiger primitiver Zeitvertreib. Spaß wie wir ihn im Keller gerne bieten, selbst erlebt haben und noch möglichst lange erleben möchten, ist vor allem eine Grundhaltung inklusiver Gemeinschaft, trotz oder gerade wegen aller Andersartigkeit oder um vielleicht Trendvokabular zu bedienen „Diversität“.